Wie kann ein lautes oder dauerhaftes Pfeifen eine komplette Taubheit auslösen?

Nach dem langen Weg zum Training in Schweden angekommen, bemerkte ich, dass mein Dackel auf dem Spaziergang nicht gehorchte. Er konnte nicht, er war komplett taub. Das kam so:

Es war eine Woche Training in Schweden angesagt. Meine Freundin und ich fuhren mit ihrem Auto ein paar Tage früher los, mit einer geliehenen Dachbox auf dem Autodach, die wir am Tage zuvor montiert hatten. Der Dackel im Fußraum vorn, die anderen Hunde (beide bereits leicht ertaubt, da 14 und 16 Jahre alt) hinten.

Ab auf die Autobahn in 500m Entfernung. Sofort fing ein lautes durchdringendes Pfeifen an. Eine Unterhaltung war nicht möglich. Das geöffnete Fenster bewies, es ist die Dachbox. Nach wenigen Kilometern versuchten wir auf der nächsten Raststätte mit Papier alle Ritzen und Löcher zu stopfen, von denen wir vermuteten, die könnten das Pfeifen verursachen. Auf die Bahn: es pfeift nicht wirklich weniger. Bis zur nächsten Raststätte hatten wir die Besitzerin der Dachbox erreicht. Bei ihr ist die Dachbox ruhig …mmh. Eine Teppichmatte wurde unter die Box montiert, so dass kein Wind mehr unter der Box durchziehen kann, ohne unterbrochen zu werden. Wieder auf die Bahn, wieder Pfeifen…

Und dann zogen wir alle Register. Physikalisch nachgedacht entsteht ein Pfeifen durch Luft an einer scharfen Kante. Meine Abtrockentücher für die Hunde wurden daraufhin in schmale total bunte Streifen geschnitten und um jede Relingskante gewickelt, die ich finden konnte. Mit großer Anspannung auf die Bahn (die letzte besprochene Alternative im Hinterkopf: umdrehen, alles umpacken, Dinge zu Hause lassen und ohne Dachbox losfahren) . Es war STILL! Endlich!

Leider merkte ich erst am nächsten Tag, dass die Pfeifaktion meinem Dackel das Gehör gekostet hatte. Ich dachte an die Tinnitusbehandlung beim Menschen, die idR keinen Aufschub bedarf nach einem Hörsturz. In Schweden einen Tierarzt zu erreichen, der geöffnet und in erreichbarer Nähe ist, scheint nicht leicht. Man kann nicht einfach hinfahren, sondern muss sie vorher telefonisch erreichen. Als ich den einzig Erreichbaren dann hatte, meinte er da hilft nur abwarten und ggf morgen kommen, heute wäre es ihm zu spät. Es wird schon nichts schlimmes sein. Blödmann. Also habe ich meinen Tierarzt hier in D so lange angerufen, bis ich ihn am Handy hatte. In der Tat sagte auch er, abwarten, ggf. nach ein paar Tagen Cortison und blutverdünnendes Mittel. Ich gab ihm gleich am nächsten Tag Cortison und tatsächlich, nach drei Tagen kam das Gehör langsam wieder. Ich konnte jeden Tag etwas leider sprechen.

Inzwischen hört er wieder gut, wie gut allerdings oder ob er einen Tinnitus hat, kann ich nicht sagen. Der Arme! Er ist immer so lieb. Hätte er wenigstens im Auto gejammert, wären wir sicher nicht weiter gefahren…

Hat jemand schon ähnliche Erfahrungen gemacht?